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Spuren 85 | Jürgen Egyptien: »Zeitlos in Bild und Gedicht wird dieser Sommer bestehn«. Stefan George auf Stift Neuburg

 

In den Jahren 1909/10 war Stefan George mehrfach auf Stift Neuburg zu Besuch, einem ehemaligen Kloster bei Heidelberg, das der Dichter und Alchimist Alexander von Bernus kurz zuvor geerbt hatte. Mit George weilten gemeinsame Freunde wie Karl Wolfskehl, Melchior Lechter, der junge Komponist Wilhelm Petersen und die Zeichner Karl Thylmann und Rolf von Hoerschelmann auf dem Stift.

In Anknüpfung an den Schwabinger Okkultismus und inspiriert von der besonderen ‚mystischen Luft’ des Stifts führten die Anwesenden allerlei spiritistische Experimente durch und fahndeten auch nach einem ominösen Schatz. Ein letzter Höhepunkt des geselligen Zusammenseins war das so genannte Kometenfest anlässlich der Annäherung des Halleyschen Kometen an die Erde im Mai 1910. Der Stiftsherr Alexander von Bernus verfasste eigens das Mysterienspiel ›Melaina‹, das von den Gästen zur Aufführung gebracht wurde und mit der Prophetie einer Welterneuerung endet. Zugleich aber legte sich über die Teilnehmer die Ahnung, den letzten Abendschein einer untergehenden Epoche zu genießen; und die immer wieder aufbrechenden Konflikte zwischen dem Führungsanspruch Georges und dem auf sein Selbstbestimmungsrecht pochenden Alexander von Bernus gefährdeten unausgesetzt die Harmonie dieses scheinbar zeitenthobenen Lebens im Zeichen von Kunst, Muße und Mystik.

In der Marbacher Reihe SPUREN, die mit diesem Heft in gestalterisch aufgefrischter Form erscheint, zeichnet der Aachner Germanist und George-Kenner Jürgen Egyptien die einzigartige Atmosphäre der Sommermonate auf Stift Neuburg nach und illustriert die geistige Geselligkeit des Kreises mit Briefen, Dichtungen und Bildern. Die von Karl Thylmann während der Treffen angefertigten Zeichnungen von George und Wolfskehl etwa werden hier erstmals publiziert.

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