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Spuren 87 | Rainer Moritz: »Braune Ziegel wie ehedem«. Hermann Lenz und Künzelsau

Fast wäre Hermann Lenz in Künzelsau geboren worden. Im Sommer 1912 waren seine Eltern, der Zeichenlehrer Hermann Friedrich Lenz und seine schwangere Frau Elise ins Hohenlohische gezogen, doch vorsorglich hatte Vater Lenz für seine Frau einen Platz in der Württembergischen Hebammenschule in Stuttgart reserviert. In der Residenz kam Hermann Karl Lenz am 26. Februar 1913 zur Welt; wenige Tage später kehrte der Säugling mit seiner Mutter in die Künzels­auer Provinz zurück. Elf Jahre lebten die Lenzens dort in einem – erhalten gebliebenen – Haus in der Keltergasse; elf Jahre, in denen Lenz Erfahrungen machte, die sich in seinem Werk auf vielfältige Weise spiegeln. Immer wieder befasste sich Lenz, der 1978 den Büchnerpreis erhielt, mit seiner Künzelsauer Jugendzeit, vor allem in seinem autobiografischen Eugen-Rapp-Romanzyklus, dessen erster Teil ›Verlassene Zimmer‹ vornehmlich im Hohenlohischen spielt. Aber auch in anderen Büchern – im Roman ›Zwei Frauen‹ und im Fotoband ›Im Hohenloher Land‹ – werden Erinnerungen an Künzelsauer Gassen und Gärten wach, zeigt sich, welche Bedeutung manchen der Nachbarn und Lehrer zukam, die Hermann Lenz’ Jugend prägten. In allen Lebensjahrzehnten besuchte Lenz, meist zusammen mit seiner Frau Hanne, Künzelsau. Manchmal erschien ihm die Stadt dann, »als ob sich nichts verändert habe«, ein andermal, »als habe sich die Kindheit verflüchtigt«.

Der Literaturkritiker und Leiter des Hamburger Literaturhauses Rainer Moritz zeichnet in den SPUREN nach, warum der im Alter hochgeehrte Schriftsteller Lenz, der lange Zeit im Literaturbetrieb der Bundesrepublik wenig Beachtung fand, die Zeit in Künzelsau nicht losließ und wie sie unterschwellig seine Poetik beeinflusste.

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