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Spuren 91 | Franz Schwarzbauer: »Aus Ravensburg telegraphierte meine Frau, dass die Möbel stehen, und dass ich morgen einziehen kann«. Ernst Jünger in Ravensburg

Im Dezember 1948 übersiedelte Ernst Jünger vom niedersächsischen Kirchhorst ins oberschwäbische Ravensburg: aus der englischen Besatzungszone, wo er sich einem Publikationsverbot ausgesetzt sah, in die weit liberalere französische. In Ravensburg, das vom Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont geblieben war, intensivierte Jünger seine Kontakte zu Freunden, Kollegen und Verlegern. Unter dem Titel ›Strahlungen‹ veröffentlichte er von Ravensburg aus die Tagebücher der Jahre 1941 bis 1945. Zudem vollendete er dort seinen Roman ›Heliopolis – Rückblick auf eine Stadt‹. Während Jünger mit ›Strahlungen‹ einen publizistischen Erfolg hatte, war die öffentliche Resonanz auf den utopischen Roman verhalten; im privaten Kreis wurde ›Heliopolis‹ sogar heftig kritisiert. ›Heliopolis‹ blieb auf Jahre Jüngers letzter Versuch eines Romans. Mit umso größerer Entschiedenheit wandte er sich von da an dem Tagebuch und der Essayistik zu. Noch in anderer Hinsicht markierten die Ravensburger Jahre eine signifikante Veränderung: Erstmals beschäftigte Jünger einen Sekretär. Im September 1949 übernahm Armin Mohler, der die damaligen Begebenheiten in seinem ›Ravensburger Tagebuch‹ detailliert festhielt, diese Aufgabe.

Der Ravensburger Kulturamtsleiter und Literaturwissenschaftler Franz Schwarzbauer erhellt die Ravensburger Jahre Ernst Jüngers und erläutert, warum sie mehr als ein bloßes Atemholen waren. Sie können vielmehr als eine Art Wegscheide in Leben und Werk Jüngers gelten. Damals bereitete er jene repräsentative Lebensform vor, die er dann in Wilflingen kultivierte, in das er im Juli 1950 von Ravensburg aus umgezogen war.

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