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Spuren 97 | »Die Engel sind weiß«. Balzac in Weinheim

Der französische Romancier Honoré de Balzac (1799-1850) bekannte sich in einem Brief an seine Geliebte, die polnische Gräfin Hańska, dazu, bei einem Aufenthalt in Weinheim an der Bergstraße endlich den lange gesuchten Schluss für seinen Roman ›Louis Lambert‹ gefunden zu haben. Das Buch gehört zur Abteilung ›Philosophische Romane‹ des großen Zyklus ›Menschliche Komödie‹ und war seit der Erstfassung von 1832 schon mehrfach umgearbeitet worden – Balzac blieb unzufrieden. Im Mai 1835 machte er auf einer Reise nach Wien, wo sich Ève Hańska gerade aufhielt, Station im Weinheimer Schloss. Weil sein Reisebegleiter Prinz Alfred von Schönburg mit der Hausherrin Persönliches zu besprechen hatte, war sich Balzac im Schlossgarten eine Weile selbst überlassen. Sein Spaziergang schlug sich in den dort entstandenen philosophischen ›Gartengedanken‹ nieder. Sie gingen in den Schluss der Ende 1835 erschienen letzten Romanfassung ein. Eines der Blätter, auf denen Balzac im Garten schrieb, hat sich zufällig erhalten und befindet sich heute im Institut de France in Paris. Es ist gerade das, auf dem auch der Name Weinheim vermerkt ist.

Im neuen, reich bebilderten Heft der bibliophilen Marbacher Reihe SPUREN zeigt die Literaturwissenschaftlerin Barbara Wiedemann, welche Wirkungen Balzacs Weinheimer Aufenthalt im Roman ›Louis Lambert‹ hinterlassen hat. Dabei gelingt es ihr, die große Bedeutung plausibel zu machen, die der Romancier selbst den Weinheimer ›Gartengedanken‹ gegeben hat: Der im Schlosspark gefundene Schluss trägt zum Verständnis der Personenkonstellation des Romans entscheidend bei.

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