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Spuren 98 | Jürgen Egyptien: »Ein Untier [...], das Menschen fraß und – Gumbolf hieß«. Friedrich Gundolf in Heidelberg

Als Friedrich Gundolf 1910 nach Heidelberg zog, um dort seine akademische Karriere zu starten, bildete sich um ihn rasch ein Kreis von Schülern und Freunden, der stark vom Geist Stefan Georges geprägt war. 1914 entstand in diesem Kreis die Idee, Gundolf zu Ehren eine nächtliche Shakespeare-Inszenierung auf dem Königstuhl, dem Heidelberger Hausberg, aufzuführen. Norbert von Hellingrath, der bedeutende Hölderlin-Editor, war selbst als Schauspieler daran beteiligt und berichtete detailfreudig und amüsant von diesem Ereignis, das im Rückblick wie ein letzter Höhepunkt des ganz besonderen Heidelberger Geistes vor der Katastrophe des Ersten Weltkriegs wirkt. 1919 versammelte George in Friedrich Gundolfs neuem Heidelberger Domizil, der heute noch existierenden Villa Lobstein am Eingang des Schlosses, den harten Kern seines Kreises, um nach Kriegsende mit dem Seelenfest an Pfingsten ein Signal zur kulturellen Erneuerung zu setzen. Gundolf wurde später, 1931, kurz vor seinem Tod, Opfer der politischen Polarisierung der späten Weimarer Republik, als er in der ungeliebten Rolle des Dekans der Philosophischen Fakultät unfreiwillig mit zum Ausbruch eines nationalistischen Protests der Heidelberger Studentenschaft gegen den pazifistischen Justizkritiker Emil Julius Gumbel beitrug.

Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Jürgen Egyptien rekonstruiert in der neuen Ausgabe der bibliophilen Marbacher Reihe SPUREN mit teilweise bislang unbekannten Materialien die kulturelle und politische Situation in der Universitätsstadt Heidelberg im Umfeld des George-Kreises.

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