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Spuren 101 | Dieter Martin / Andrea Riotte: »Ich wünsche schon lange von hier erlöset zu seyn«. Wieland in Tübingen

Am 30. Oktober 1750 immatrikulierte sich der 17-jährige Christoph Martin Wieland (1733–1813), der später zu einem der bedeutendsten Dichter des 18. Jahrhunderts werden sollte, an der Universität Tübingen, um dort – dem Wunsch seiner Eltern entsprechend – Jura zu studieren. Doch glaubt man seinen Erinnerungen, so hatte Wieland schon an der ersten juristischen Vorlesung »auf immer genug« und offenbar keine weiteren »Collegia« besucht, als er die Universität im Sommer 1752 ohne Examen wieder verließ. Entsprechend unscharf bleiben die Spuren, die der Tübinger Aufenthalt in Wielands Leben hinterlassen hat. Auch umgekehrt führt Wieland im heutigen Tübinger Stadtbild ein Schattendasein: Ein vermeintliches Dichterhäuschen auf der ›Wielandshöhe‹, um das sich nach Wielands Tod lokalpatriotische Sagen rankten, ist längst verschwunden; eine in Bahnhofsnähe konzipierte Wielandstraße wurde nie gebaut, weil sich im späten 19. Jahrhundert weitsichtige Parkschützer gegen die Städteplaner durchsetzten; und an das 1789 abgebrannte Haus der Hochmann’schen Stiftung, in dem der Student wohnte, erinnert heute nur noch eine Gedenktafel.

Ganz so »einsam und unbekannt«, wie es der junge Wieland beklagt, um möglichst bald »von hier erlöset zu seyn« und ins literarisch interessantere Zürich eingeladen zu werden, dürfte er sein Tübinger Leben aber nicht zugebracht haben: Im neuen, reich illustrierten Heft der bibliophilen Marbacher Reihe ›Spuren‹ rekonstruieren die Biberacher Historikerin Andrea Riotte und der Freiburger Germanist Dieter Martin nicht nur die bildungsgeschichtlichen Hintergründe und familiären Traditionen, die Wieland nach Tübingen verschlagen haben, sondern auch seine Kontakte zum angeblich verhassten »academischen Leben«, die für den angehenden Dichter bedeutender gewesen sein dürften, als er selbst es zugestanden hat.

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