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Spuren 95 | Jürgen Oppermann: »... O See, / du Pfütze voll Schlangen und Kröten«. Joseph Victor von Scheffel in Radolfzell

Im Winter 1871 erwarb der »Lieblingsdichter der Deutschen«, Joseph Victor von Scheffel, ein Bodensee-Grundstück bei Radolfzell, um sich im Alter von nur 45 Jahren vor dem Trubel um seine Person zurückzuziehen. Mit dem großen Erfolg seiner Gedichtsammlung ›Gaudeamus‹ (1868) waren auch seine Historien-Epen ›Der Trompeter von Säckingen‹ (1854) und ›Ekkehard‹ (1855) zu Bestsellern geworden, die nach und nach dreistellige Auflagen erreichten. Seine literarische Produktion indes war längst zum Stillstand gelangt; nur noch hin und wieder schrieb er Texte zu Festspielen für aristokratische Auftraggeber oder Jubiläumsgedichte für Freunde.

In Radolfzell, wo er sich seine ›Villa Seehalde‹ im italienischen Landhausstil bauen ließ und später noch das Mettnaugut erwarb, konzentrierte sich der von seiner Frau getrennt lebende Scheffel vornehmlich auf die Erziehung seines Sohnes; er baute Wein und Gemüse an, ging fischen und auf die Jagd. Das Leben im beschaulichen Altersdomizil wurde jedoch von etlichen Prozessen getrübt, die der einstige Jurist Scheffel wegen vermeintlicher Beleidigung und Verlagsstreitigkeiten führte. Als Höhepunkt dieser juristischen Händel warfen ihm Radolfzeller Fischer sogar versuchten Totschlag vor. Scheffels Resümee: Der Bodensee sei eine »Pfütze voller Schlangen und Kröten«.

Im neuen, reich illustrierten Heft der bibliophilen Marbacher Reihe SPUREN wirft der Karlsruher Literaturwissenschaftler Jürgen Oppermann anhand von Scheffels Selbstzeugnissen ein Schlaglicht auf dessen nachliterarischen Alltag am Bodensee.

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