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Spuren 92 | Valérie Lawitschka: »Luftig, wie ein leichter Kahn«. Die schwäbische Schule und die Wurmlinger Kapelle

Westlich von Tübingen, auf dem Wurmlinger Kapellenberg, steht weithin sichtbar ein Kirchlein, das bis heute in unzähligen Gedichten besungen wurde. Nach der Legende hat ein Graf von Calw bestimmt, dass nach seinem Tod dort, wo das Gespann mit seinem Sarg zum Stehen käme, eine Kapelle gebaut werden solle.
War die Kapelle für den jungen Hölderlin noch ein Fluchtort vor dem Lärm der Tübinger Markttage, wird der geschichtsträchtige Ort wenig später zu einem beliebten Ausflugsziel – und für die Schwäbische Schule zu einem Ort der dichterischen Reflexion. Mit ihren Kapellen-Gedichten stehen Ludwig Uhland, Gustav Schwab und Nikolaus Lenau am Beginn der literarischen Beschriftung von Berg und Kirche. Bereits als 18-Jähriger schreibt Uhland sein später zum Volkslied gewordenes Gedicht. Schwab verarbeitet den Sagenstoff zehn Jahre danach in einer 18strophigen Romanze, und der schwermütige Lenau dankt 1831 seinen schwäbischen Freunden, die ihn durch Spaziergänge auf den Kapellenberg aufheitern, mit seinen Versen.

Im neuen, reich illustrierten Heft der bibliophilen Marbacher Reihe SPUREN zeigt
die Geschäftsführerin der Hölderlin-Gesellschaft, Valérie Lawitschka, wie alle drei Gedichte die Wurmlinger Kapelle nicht nur als Erinnerungszeichen beleuchten, sondern die geologische Lage insbesondere zur Inszenierung eines Schwebe-zustands, eines Zustands des Dazwischen, nutzen: In Uhlands memento mori hält der Sprecher die Mitte zwischen »Droben« und »Drunten«, Schwabs Legendenbearbeitung stellt den Übergang von Leben und Tod heraus, und Lenaus Weltschmerz wird gelindert durch die Metapher der Kirche als luftiger Kahn.

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