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Spuren 104 | Siegmund Kopitzki: »Da webt in diesen greisen Giebelgassen, in diesen Thoren und Höfen noch Hussens Ketzerhohn.« Rilke in Konstanz

Ein Zeichen der Freundschaft: So lässt sich die Visite des Münchner Studenten und jungen Dichters Renée (später Rainer) Maria Rilke in den Ostertagen des Jahres 1897 am Bodensee ohne Zweifel bezeichnen. Er besuchte dort die Eltern seines Studienfreundes Wilhelm von Scholz, dessen Vater – der letzte preußische Finanzminister unter Bismarck – in Konstanz gemeinsam mit seiner Frau Anna seinen Altersruhesitz bezogen hatte. Rilke hatte den Ministersohn und ebenfalls aufstrebenden Dichter Wilhelm im Herbst 1896 kennengelernt. Schnell entwickelte sich eine intensive Beziehung. Man tauschte Bücher aus und besprach die jeweilige Novität des anderen. Die Reise nach Konstanz allerdings hat Rilke allein unternommen. In seinen Briefen beweist er ein erstaunliches Wissen über die alte Kultur-Landschaft – er lobt die Schönheit des Sees und der Stadt, erinnert vor allem aber auch an das Konstanzer Konzil (1414‑1418) und den Feuertod von Jan Hus, dem bewunderten tschechischen Reformator. In dem Gedicht ›Vision‹, das neben fünf weiteren Gedichten während seines Aufenthalts am Bodensee entstand, feiert Rilke »die kühne Mannheit« seines Landsmannes. Noch in den 1950er Jahren wurde dieses Gedicht in erzkatholischen Kreisen der Stadt angefeindet und seine Rezitation sanktioniert.

Im ersten Konstanz-Heft der reich illustrierten, bibliophilen Marbacher Reihe SPUREN hebt der Konstanzer Kulturjournalist Siegmund Kopitzki einen in der Literaturgeschichte bisher weitgehend übersehenen Schatz – die Visite des jungen Rainer Maria Rilke am Bodensee.

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