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Spuren 93 | Christine Ivanovic: »Nach der weißen Rose«. Ilse Aichinger in Ulm

»Nach der weißen Rose«. Christine Ivanovic: Ilse Aichinger in Ulm

Ilse Aichinger, die im letzten Jahr ihren 90. Geburtstag feiern konnte, erfuhr im Frühjahr 1943 in Wien von der Hinrichtung der ›Weißen Rose‹. Das Wissen um den Widerstand gegen Hitler – so berichtete die österreichische Autorin drei Jahrzehnte nach der Zerschlagung des Nationalsozialismus in einer Ansprache in Ulm –, gab Hoffnung und Kraft, die Zeit der Verfolgung und Vernichtung zu überstehen. Ihr Roman ›Die größere Hoffnung‹ (1948), der diese Situation verarbeitet, hatte in der Donaustadt schon bald nach seinem Erscheinen die Aufmerksamkeit von Inge Scholl erregt. Die ältere Schwester von Hans und Sophie Scholl, die zur selben Zeit mit der Volkshochschule Ulm eine völlig neuartige Bildungsarbeit »im Geiste der Gemordeten« aufzubauen begann, lud Aichinger Anfang 1950 zu einer Lesung hierher ein. Sie freundeten sich an, und Aichinger arbeitete schon wenig später für einige Monate als Sekretärin Scholls. Im engagierten Kreis um Inge Scholl lernte Ilse Aichinger auch Hans Werner Richter kennen, der sie zur Gruppe 47 einlud.

Im neuen, reich bebilderten Heft der bibliophilen Marbacher Reihe SPUREN zeigt die Germanistin Christine Ivanovic, wie ›Nach der Weißen Rose‹ für Ilse Aichinger zur Sigle eines engagierten Schreibens nach Auschwitz wurde und Ulm zu einer ihren wichtigen biografischen Stationen – und zwar vor dem Hintergrund der Replatzierung der Moderne in Deutschland. Denn aus der Bildungsidee der Volkshochschule Ulm ging just in jenen Jahren, initiiert durch Scholl, ihren späteren Mann Otl Aicher, Max Bill und andere, die ›Hochschule für Gestaltung‹ hervor, die als international bedeutendste Design-Hochschule nach dem Bauhaus gilt.

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