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Neues aus den Museen

Neue Wieland-Ausstellung am 12. September in Biberach eröffnet

Am Samstag, den 12. September 2009 wurde um 18 Uhr im Biberacher Wieland-Park die neue Dauerausstellung ›Christoph Martin Wieland – Dichter und Kanzleiverwalter in Biberach (1760-1769)‹ eröffnet. Die nach neusten museumspädagogischen Erkenntnissen gestaltete Präsentation in dem von Wieland einst bewohnten Gartenhaus zeigt, wie der große Aufklärer in seinen insgesamt neun Jahren in der Stadt an der Riss als Senator und Kanzleiverwalter ungeachtet seiner vielfältigen beruflichen Verpflichtungen sowie als Direktor der evangelischen Komödiantengesellschaft eine ungeheure dichterische Produktivität entfaltet. Wieland übertrug hier 22 Shakespeare-Stücke ins Deutsche und verfasste einige seiner wichtigsten Werke, darunter die ›Geschichte des Agathon‹ und ›Die Abentheuer des Don Silvio von Rosalva‹. In Biberach wandelte sich Wieland von einem religiösen Schwärmer zu einem Autor, der in seinen Texten unverhohlen einer sinnlich-frivolen Lebensfreude huldigte. Neben der zeitgenössischen deutschen Literatur (Anakreontik) bildete er seinen Geschmack an der Literatur der griechischen und römischen Antike sowie an den Werken der führenden Autoren Frankreichs, Spaniens, Italiens und Englands.
Anlässlich der Feierlichkeiten zur Ausstellungseröffnung wurde an Oberbürgermeister Thomas Fettback zudem die Stiftungsurkunde der neu gegründeten ›Christoph Martin Wieland-Stiftung Biberach‹ überreicht. Damit kommt ein mehrere Jahre dauernder Selbstverständigungsprozess über den Umgang mit Wielands Erbe zu einem glücklichen Ende. Gegründet im Jahr 1905 durch den Biberacher Kunst- und Altertumsverein wurde das ›Wieland-Museum‹ 1907 als Gedenkstätte für den Dichter im Gartenhaus eröffnet. 1972 ging das ›Wieland-Museum‹ in das Eigentum der Stadt über. Im Jahre 2009 hat der Biberacher Gemeinderat einstimmig beschlossen, das ›Wieland-Museum‹ in eine Stiftung zu überführen.
Die neue Stiftung soll Maßnahmen fördern, die das Andenken an Leben und Werk Christoph Martin Wielands und Sophie La Roches aufrechterhalten. Zum anderen setzt sie sich zum Ziel, bestmögliche Voraussetzungen für die Aufbewahrung derjenigen Museums- und Archivbestände zu ermöglichen, die im Zusammenhang mit der Biberacher Theatergeschichte, insbesondere der bürgerlichen Komödiantengesellschaften und mit der Person des Komponisten Justin Heinrich Knecht stehen. Zum Arbeitsfeld der Stiftung zählen neben einer professionellen Ausrichtung von Museum und Archiv als Wieland-Kompetenz- und Servicezentrum zwischen Biberach, Weimar, Oßmannstedt und Bern die Fortsetzung der Rekonstruktion von Wielands Bibliothek, die Fortführung der ›Wieland-Studien‹, die öffentliche Aus- und Darstellung von Leben und Werk Wielands, die Initiierung, Unterstützung und Durchführung von wissenschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen, die Unterstützung von Forschungsvorhaben, die Förderung von Maßnahmen zum Erwerb von Beständen für das Wieland-Archiv sowie die Kooperation mit Einrichtungen und Institutionen, die ähnliche Ziele verfolgen. Das Wieland-Archiv in seiner heutigen Gestalt beherbergt eine Bibliothek von über 15.000 Büchern, Zeitschriften und Sonderdrucken sowie über 1000 Handschriften, davon mehr als 350 eigenhändige Briefe des Dichters.

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