Literaturland Baden-Württemberg

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Neues aus den Museen

Eine »Herzkammer« für Marie Luise Kaschnitz

Am 40. Todestag von Marie Luise Kaschnitz (1901–1974), am 10. Oktober 2014, wird im südbadischen Bollschweil eine literarische Dauerausstellung zu Ehren der Büchnerpreisträgerin eröffnet. Damit wird nicht nur das ›Literaturland Baden-Württemberg‹ ¬um eine außergewöhnliche Ausstellung reicher; damit erhält auch eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen in eben jenem Dorf einen Erinnerungsort, das für die Vielgereiste eine »Herzkammer der Heimat« war und dem sie in ›Beschreibung eines Dorfes‹ auch ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Von 1917 bis 1922 verbrachte die Autorin im Bollschweiler Familiengut ihre Jugendjahre. Ihr Leben lang kehrte sie immer wieder, manchmal monatelang, dorthin zurück. Sie heiratete in Bollschweil, erwartete hier die Geburt ihrer Tochter und wurde an der Seite ihres Mannes auf dem Dorffriedhof begraben. Im Jahr 1967 erhielt sie von der Gemeinde die Ehrenbürgerschaft – eine Auszeichnung, über die sich Kaschnitz ganz besonders freute. Die Rolle des Ortes in ihrem Werk und in ihrem Leben wird in der Ausstellung anhand von les- und hörbaren Dokumenten kenntlich, aber auch durch eine Verfilmung der ›Beschreibung eines Dorfes‹, in der die Dichterin ihren Text an Originalschauplätzen liest.

Unter dem Titel »›Herzkammer der Heimat‹. Marie Luise Kaschnitz in Bollschweil und andernorts« widmet sich die Ausstellung aber auch den anderen Orten, die Kaschnitz besucht oder in denen sie gewohnt hat, darunter Rom, Königsberg, Frankfurt, Potsdam, Berlin und Karlsruhe. Ihr gesamtes literarisches Werk zeugt davon, wie unmittelbar und gleichsam körperlich sich die Dichterin auf die zahlreichen Orte ihres Lebens einlassen konnte. Mit ihrer großen Offenheit, ihrer Neugier und Wachheit war sie, die mitunter Spröde und scheinbar Unnahbare, auch am fremden Ort nie unbehaust.

Eingerichtet im Bollschweiler Rathaus, wurde die Ausstellung kuratiert von der Kaschnitz-Expertin Brigitte Raitz und von Thomas Schmidt, dem Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg (Deutsches Literaturarchiv Marbach). Die Gestaltung oblag dem Karlsruher Büro zwo/elf. Die Ausstellung ist am Sonntag, dem 12. Oktober 2014, ganztags geöffnet, danach zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses.

www.bollschweil.de

 

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